Chips Sucht: wie ich sie losgeworden bin

Eigentlich war ich schon immer irgendwie süchtig nach Chips. Schon in meiner Jugendzeit habe ich Chips geliebt, und es verging keine Woche, ohne dass ich nicht mehrere Tüten vertilgt hätte. 

Chips süchtig?

Meine Oma hatte die immer vom Einkaufen mitgebracht, und so war mein Vorrat an Chips stets gesichert. Aber war ich damals schon Chips süchtig? Schwer zu sagen, denn in jungen Jahren macht sich unser eins vermutlich noch nicht so viele Gedanken ums Essen und leckere Süßigkeiten und Knabbereien gehörten eben einfach dazu. Später habe ich dann eine ganze Zeit lang weniger Chips gegessen – eher gelegentlich auf Partys oder auch mal abends vor dem Fernseher. Es waren immer meist so eine Art Phasen: bin ich wieder mal auf den Geschmack gekommen und hatte Chips verzehrt, dann konnte das zunächst über Wochen hinweg so weitergehen. Hatte ich sie „vergessen“ oder gerade mehr Lust auf Schokolade & Co., dann hatte ich auch keinerlei Verlangen nach Chips. Als dann durch die Presse ging, dass Chips gefährliches Acrylamid enthalten und gesundheitsschädlich sind, ist mir der Appetit aber gründlich vergangen. Ich habe einfach keine mehr gekauft, war „vernünftig“ und bin dann nach und nach auf Nüsse und Salzstangen umgestiegen. Auch die kann man prima auf Partys und beim Fernsehabend vertilgen.

Chips Sucht - es geht wieder los

Aber vor etwa 2 Jahren ging es dann wieder los. Irgendwann hatte ich aus einer Laune heraus doch wieder Chips gekauft, einfach so beim Einkaufen mal mitgenommen. Die kannst du dir ruhig mal wieder gönnen, dachte ich. Schließlich warst du ja eine ganze Zeit lang abstinent und außerdem braucht ja jeder einen „Seelentröster“. In dieser Zeit ging es mir emotional nicht so gut und – du kennst das vielleicht – entweder du futterst oder du kannst nur wenig essen. Also hatte ich mich dann irgendwann wieder so richtig auf Chips eingeschossen! Aus einer Tüte pro Woche wurden schnell zwei oder drei, und wenn es sie gerade im Angebot gab, dann habe ich gleich mal auf Vorrat gekauft. Man gönnt sich ja sonst nichts! Ich war definitiv Chips süchtig. Eine Tüte Chips pro Tag war es nicht – aber bestimmt eine halbe. Zum Glück ernähre ich mich ansonsten gesund, treibe viel Sport und bin schlank, sodass ich wenigstens nicht um mein Gewicht fürchten musste. Aber da war natürlich jedes Mal dieses schlechte Gewissen, der Ärger und die Wut auf mich selbst, dass ich einfach nicht mit dem Chips essen aufhören konnte. Ob gleich nach dem Abendessen, obwohl ich eigentlich längst satt war, als „Überbrücker“ zwischen Feierabend im Büro und Abendessen, oder auch mal vor dem Mittagessen, wenn ich ins „11Uhr-Loch“ fiel.

Die Chips Sucht bekämpfen

Aber so konnte es einfach nicht weitergehen. War ich wirklich Chips süchtig? Und wie kann ich die Chips Sucht loswerden? Einfach überwinden, stark und standhaft sein und keine Chips mehr kaufen? Das hat nicht wirklich funktioniert, denn wenn ich wieder mal meinen abendlichen Jieper auf Chips hatte, und keine im Schrank waren, dann bin ich auch schon mal nachts um 22 Uhr zur Tankstelle gefahren und habe sie mir zu teuren Apothekenpreisen geholt. Also dümpelte ich weiter so vor mich hin, machte mir weiterhin Sorgen um meine Gesundheit und sagte mir immer wieder: Morgen hörst du auf! Nur noch diese eine Tüte und dann ist Schluss! Denkste!

Chips Sucht Hilfe

Zum Glück steckte ich seinerzeit mitten in meiner Ausbildung zum MET-Coach. Irgendwann war dann die Unterrichtseinheit „Übermäßiges Verlangen nach Schokolade, Chips, Cola und anderem Süßkram beklopfen“ dran. Meine Kollegin Sonja hatte sich für eine Demo freiwillig gemeldet, um an ihrem Jieper auf Nutella zu arbeiten. Wenn keine gescheite Schokolade im Haus war, dann hatte sie auch schon mal das Nutella löffelweise aus dem Glas gefuttert. Wir anderen wurden aufgefordert, uns da gerne mal mit dran zu hängen und unseren eigenen Jieper auf was auch immer mitzuklopfen. Puhh, jetzt war also DIE Gelegenheit mir selbst zu beweisen, dass ich es wirklich ernst meinte mit dem Ende meiner Chips Sucht. Hatte auch zufällig gerade eine angebrochene Tüte da. Also, los ging´s. Nach nicht mal 30 min. waren wir durch damit. Sonja meinte „das schmeckt ja wie Pappe“ und „irgendwie widerlich künstlich süß“ und mir ging es mit den Chips ähnlich. Ich hatte einfach plötzlich keine Lust mehr, da jetzt irgendwie reinzubeißen, geschweige denn die restliche Tüte aufzuessen. Das Craving, das zuvor bei mir noch auf einer Skala von 0-10 bei mindestens 8 war, war nicht mehr vorhanden und tendierte quasi gegen 0. Entspannung und Freude machte sich breit. Später habe ich dann noch meine Zweifel, Ängste und sonstigen negativen Gefühle „nachgeklopft“, um auf „Nummer sicher“ zu gehen. Und was soll ich sagen? Bis heute habe ich keine Chips mehr gegessen. Und fühle mich prima damit. Das ist jetzt gut 1 Jahr her!